Praxisteam |

Orthopädie |

Sportmedizin |

Diagnostik |

Therapie |

Prävention

| Sonstiges

 

Home | Sprechstunden | Anfahrtsbeschreibung | Kontakt | Links | Impressum

Orthopädie- Krankheitsbilder- Kreuzschmerzen

Rückenschmerzen

Jeder Mensch hat im Lauf seines Lebens einmal oder z.T. auch häufiger Schmerzen im Bereich der Wirbelsäule. Im Volksmund gibt es dafür die Begriffe: „Ich hab’s an der Bandscheibe“, „Hexenschuß“ oder „Ischias“. Diese Begriffe oder ähnliche bezeichnen aber nur, daß es „im Kreuz“ weh tut; über die eigentliche Ursache der Beschwerden ist damit überhaupt nichts gesagt! Um Ihnen zu helfen, Ihre Beschwerden besser zu verstehen, hier einige Anmerkungen:

Lumbago

Mit Hexenschuß = Lumbago bezeichnet man Schmerzen in der unteren Lendenwirbelsäule, die nicht ins Bein ausstrahlen. Für die Entstehung solcher Schmerzen gibt es viele Möglichkeiten. Deshalb ist „Lumbago“ keine Diagnose, sondern die Beschreibung eines Zustandes. Man kann also 20 verschiedene „Lumbago“s oder Hexenschüsse im Leben haben!

Ischias

Genauer ist schon die Bezeichnung Ischias, weil damit ein Schmerz notiert wird, der ins Bein ausstrahlt, typischerweise ins rechte oder linke, fast nie in beide zusammen oder wechselnd. Dafür gibt es eigentlich nur 2 Ursachen, nämlich zentrale und periphere:

Bandscheiben-Vorfall

Zentral, also im Rückenmarksraum, kann ein Bandscheibenvorfall so auf einen Nerv, eine sog. Nervenwurzel, drücken, daß der dadurch ausgelöste Schmerz (ausschließlich, überwiegend oder z.T.) im Bein empfunden wird, gar nicht oder kaum an der Stelle, an der der Nerv real gedrückt wird.

Bei einer solchen zentral ausgelösten Ischialgie gibt es durch den Druck der Bandscheibe häufig auch Nervenausfälle oder zumindest Nervenstörungen, wobei man 3 verschiedene Qualitäten unterscheidet:

- ein Reflex kann abgeschwächt oder nicht mehr auslösbar sein (das prüft der Arzt u.a. mit einem Reflexhammer) = Reflexstörung,
- das Gefühl ist anders, die Haut ist an bestimmten Stellen taub, ein Zeh oder ein Bein eingeschlafen etc. = sensible Störung, oder
- ein Muskel kann nicht mehr richtig arbeiten = motorische Störung, bis hin zu einer Teillähmung.
 
Aus der Art der festgestellten Störung kann man meist schon auf den Ort der Schädigung am Rückenmark schließen; durch weitere Untersuchungen ist dann das Problem genau zu lokalisieren.

 

Aufbaustörungen

Erfreulicherweise wird eine Ischialgie aber relativ selten zentral ausgelöst. Viel häufiger sind Aufbaustörungen der Wirbelsäule Ursache von Ischiasschmerzen. Der Ort des Geschehens liegt dabei außerhalb des Rückenmarkraums, also peripher.

Der entscheidende Unterschied ist, daß es dabei nie zu einer Schädigung eines Nerven kommt, zu einer Reflexstörung oder gar zu einer Lähmung.

selten Operation!

Um das noch einmal ganz klar zu sagen: „Ischias“ ist z.T. sehr schmerzhaft. Normalerweise ist das aber nicht gleichzusetzen mit einer bleibenden Schädigung eines Nerven. Deshalb muß man dabei auch nur selten operieren. Die Behandlung mit Tabletten, Spritzen, Krankengymnastik etc. wird die Beschwerden fast immer lindern und später beseitigen.

Bandscheibe

Bei den Aufbaustörungen müssen wir jetzt noch zwei Formen unterscheiden:

- erworbene Störungen, also Krankheiten, die im Lauf des Lebens durch z.B. Abnutzungsveränderungen auftreten, und
- angeborene Störungen, die wir schon auf die Welt mitgebracht haben.

Zu den erworbenen Störungen zählen alle Bandscheibenschäden, alle Abnutzungsveränderungen an den kleinen Gelenken zwischen den einzelnen Wirbeln etc.. Diese Abnutzungen sind aber immer damit verbunden, daß zwar Knorpel verloren geht, daß aber zur besseren Abstützung neuer Knochen aufgebaut wird. Der Körper kann sich also bis zu einem gewissen Grad selbst helfen und den Schaden reparieren.

ein Bandscheibenschaden muß nicht schmerzen

Das bedeutet, daß solche Veränderungen gar nicht unbedingt weh tun müssen; bei allen Menschen nutzt sich der Körper im Lauf des Lebens ab, aber nur einige haben davon auch Schmerzen!
Der Spruch „ich hab’s an der Bandscheibe“ sagt also nichts aus, weil alle Menschen „es an der Bandscheibe haben“, wenn sie älter als 25 Jahre sind!

Muskelverspannungen

Abnutzungsveränderungen können aber durchaus die Ursache eines Hexenschussen sein, wobei im allgemeinen nicht die Knochen oder Gelenke schmerzen, sondern die Muskulatur, die die Wirbelsäule nicht ausreichend abstützen kann. Deshalb verspannt sie sich (Muskelverspannungen) und es kommt zu schmerzhaften Fehlbewegungen. Auch hier muß man logischerweise nicht operieren; die „konservative“ Therapie, vor allem ein Muskeltraining, hilft hier fast immer.

Angeborene Aufbaustörungen

Etwas unangenehmer sind dagegen die angeborenen Aufbaustörungen der Wirbelsäule, weil die Beschwerden dabei so gravierend sein können, daß die Therapie nur lindern kann, nicht heilen.

angeborene Fehlbildungen häufig!

Es handelt sich hier um Fehlbildungen im Bereich der Wirbelsäule. Dabei ist interessant, daß die Wirbelsäule eine enorme „Streubreite“ im Hinblick auf die Form hat: Kein Organ des Menschen zeigt so viele „Normvarianten“ wie die Wirbelsäule, sodaß es schwer fällt, überhaupt eine Norm aufzustellen. Man kann deshalb nur von einer funktionell günstigen Form sprechen, wie sie zum Glück auch die meisten Menschen haben.

Wenn aber z.B. die 12. Rippe auf beiden Seiten fehlt und deshalb der Brustkorb nicht wie normal den 12. Brustwirbel zusätzlich abgestützt, ist dieser Wirbel beweglicher, wird also mit der Lendenwirbelsäule zusammen bewegt werden. Man hat deshalb statt der üblichen 5 Lendenwirbelkörper jetzt 6 bewegliche Segmente, d.h. 20% mehr Länge, aber nicht automatisch 20% mehr Muskulatur, um diesen Hebel auch zu kontrollieren!

Die angeborenen Aufbaustörungen sitzen meistens an den Übergängen zwischen den einzelnen Wirbelsäulen-Abschnitten. Besonders unangenehm können sie zwischen Halswirbelsäule und Brustwirbelsäule sowie zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein sein, weil es hier häufig zu Nervenstörungen in die Arme oder Beine kommt.

Pseudarthrosen

Am „Kreuz“ entstehen bei einer Aufbaustörung oft sog. Pseudarthrosen, also Falschgelenke, an Stellen, wo sich normalerweise gar kein Gelenk befindet. Diese „Gelenke“ haben aber kein Knorpelpolster wie andere Gelenke, sodaß dort Knochen auf Knochen reibt, und das unter der vollen Belastung des Körpergewichts!

„schlechte Haltung“ notwendig

Typisch für derartige Probleme ist, daß man in leicht gebückter Stellung weniger Schmerzen hat als bei einer aufrechten Haltung, oder daß man besser einen Rucksack tragen kann als eine Kiste vor dem Bauch.

Mit einer solchen Pseudarthrose (oder der leichteren Form, einem Reizzustand am Querfortsatz des untersten Lendenwirbels) kann man oft keine „gute Haltung“ haben!

Nerven-Schmerzen

Wohl noch unangenehmer bei dieser Störung am unteren Ende der Wirbelsäule ist der häufige Druck auf den Ischias-Nerven, der oft die gleichen Schmerzen macht wie ein Bandscheibenvorfall. Nur: Ein Ausfall oder eine Lähmung des Nerven sind dabei nicht möglich.

IS-Gelenke

Das kommt daher, daß der Nerv nicht direkt gedrückt wird wie bei einem Bandscheibenvorfall, sondern indirekt durch eine Reizung der Ileosakral-Gelenke, die ihrerseits durch die Aufbaustörung gereizt sind. (Die IS-Gelenke sind reine Puffergelenke, die das Körpergewicht noch vor den Hüftgelenken abpuffern; sie sind nicht beweglich und deshalb beim Laien nicht bekannt; Ärzte und Krankengymnasten dagegen kennen die Gelenke als Problemfelder sehr gut).

selten Operation!

Deshalb ist klar: Nur wenn ein Nerv gestört oder ausgefallen ist, sollte man überhaupt an eine Operation denken! Ausnahmen von dieser Regel gibt es sehr selten. Und wenn, dann kommen eher nicht so sehr eingreifende Operationsmethoden in Betracht. Andererseits ist aber klar, daß die konservative Therapie meist hilft, wenn auch eventuell nicht auf Dauer.

Die sinnvolle Therapie

Im akuten Stadium, also gegen die Schmerzen, gibt man obligatorisch entzündungshemmende Medikamente, z.T. auch schmerzstillende und muskellockernde Mittel. Auch heiße Bäder sind hier sehr gut sowie Massagen und Fangopackungen, vor allem, wenn man sie gleich bekommt und nicht erst nach 2 Wochen, wenn die Schmerzen schon wieder nachgelassen haben.

Wenn eine angeborene Aufbaustörung der Wirbelsäule aber immer wieder Beschwerden macht, sollte man versuchen, diesen Mangel der Natur zu kompensieren, indem man die Muskulatur so kräftigt, daß sie den schwachen Wirbelsäulenabschnitt stützen und halten kann. Kompensieren heißt aber, daß man ständig etwas tun muß, bis ins Alter! Der ungünstige knöcherne Aufbau der Wirbelsäule wird durch das Training ja nicht stabiler; die Wirbelsäulen-Muskulatur muß deshalb zeitlebens trainiert werden, um diese Schwäche auszugleichen.

Mobilitäts-Training

Dabei kann ein Training der Beweglichkeit hier nicht gut sein kann, weil eine beweglichere Wirbelsäule eine noch bessere Muskulatur erfordert. Jazz-Tanz, Aerobic etc. sind also nicht gut, und der Satz von Turnvater Jahn: „Gut beweglich ist gesund“ gilt schon lange nicht mehr.

Kraft-Training

Eher erstaunlich ist aber, daß auch ein Krafttraining weniger bringt als man erwarten sollte, weil die Kraft z.B. beim Sitzen relativ rasch nachlässt. Reine Fitness-Übungen, aber auch große Teile der Krankengymnastik, zählen dazu, sind also alleine nicht geeignet, die Beschwerden, die man von einer angeborenen Aufbaustörung haben kann, dauerhaft in den Griff zu bekommen.

Konditions-Training

Das mit Abstand Beste, was man bei einer solchen Störung für sich tun kann, ist ein Training der Kondition, der Ausdauer, am sinnvollsten in Verbindung mit einem gemäßigten Kraft- und Koordinationstraining.

Lesen Sie dazu, zum Sinn und Zweck eines Konditionstainings, eine andere Seite, die sich ausschließlich mit dem Thema „Kondition“ beschäftigt.

Zum Schluß noch einige Bemerkungen, wie man solche Aufbaustörungen überhaupt erkennen kann, denn von außen sichtbar sind sie ja nicht, und tasten lassen sie sich auch nicht.

Röntgen

Angeborene Aufbaustörungen oder Normvarianten der Wirbelsäule kann man nur im Röntgenbild erkennen. Wenn ein Wirbel sich gegenüber einem anderen verschoben hat, wenn ein Wirbelgelenk entzündlich gereizt ist, das alles kann man oft tasten, weil zumindest die zugehörige Muskulatur dann verändert tastbar ist. Aber eine Veränderung, die schon immer bestand, an die der Körper sich also gewöhnt hat, kann man nur im Röntgenbild sehen.

Hier sind diese Veränderungen im allgemeinen aber sofort sichtbar, vor allem, wenn man das Bild genau unter die Lupe nimmt. Es ist deshalb nicht besonders schwer, solche Dinge zu erkennen; viel aufweniger ist es, den Patienten aufzuklären und eine sinnvolle Therapie durchzuführen.

Zusammenfassung
 

Sofort-Therapie

Nach dem Röntgen, evtl. auch erst nach einer weiteren Untersuchung (z.B. einer Computer-Tomographie, sehr selten einer Kernspin-Tomographie, evtl. auch erst nach einer Laboruntersuchung), kann man im allgemeinen die Ursache der Beschwerden benennen = die Diagnose stellen. Dann wird man häufig eine Akut-Therapie beginnen, also eine Therapie, die die Schmerzen zumindest verringert.

Dauer-Therapie

Da aber fast alle erkannten Störungen wie Bandscheiben-Vorfälle, Abnutzungsveränderungen oder die angeborenen Aufbaustörungen der Wirbelsäule für eine lange Dauer bestehen bleiben (oft bessern sich derartige Probleme mit dem Älter-Werden, weil die Wirbelsäule dann etwas einsteift und deshalb nicht mehr so empfindlich ist), muß man auch ein Dauertraining durchführen, um die sonst immer wieder auftretenden Beschwerden dauerhaft zu bekämpfen.

nochmal: Kondition ist das Wichtigste!

Dabei ist der genaue Ort der Störung nicht so wichtig; auch die jeweils einzunehmende Körperhaltung ist nicht entscheidend. Viel wichtiger ist es, eine ausreichende Kondition zu haben, eine Kondition, die Kraft für den ganzen Tag und die ganze Nacht gibt (denn viele Patienten haben auch oder vor allem nachts Probleme, weil dann die Leistungsfähigkeit und Spannkraft der Muskulatur herabgesetzt ist).

selbst ist der Mann/ die Frau!

Diese für fast alle Störungen im Bereich der Wirbelsäule so wichtige Kondition aber muß sich jeder Patient selbst verschaffen! Hier kann der Arzt nicht heilen; er kann nur aufklären, die Zusammenhänge sichtbar machen und seine Patienten dazu ermutigen, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen.

 

  Copyright (c) 2007-2008 Dr. Veigel. Alle Rechte vorbehalten